GAST-KOLUMNE Stadionwelt 5-2025
Macht man es selbst oder gibt man es ab? Diese Frage stellen sich viele Stadionbetreiber beim Thema Hospitality. Vereine erkennen, dass die gehobene Gastronomie die einzige Vertriebssäule ist, die sie wirklich noch beeinflussen können. Ticketpreise, Merchandise, Bandenwerbung – alles steht weitgehend fest. Nur über Business- und VIP-Bereiche lässt sich heute noch differenzieren und zusätzlicher Wert generieren.
Der Wildpark in Karlsruhe demonstriert eindrucksvoll, wie moderne Stadion-Hospitality funktioniert. Die Traube Tonbach hat dort mit „Wildpark Taste“ den renommierten Preis als Caterer des Jahres gewonnen – ich war selbst Juror und kann bestätigen: absolut verdient. Ich war auch von den Räumlichkeiten beeindruckt. Von Anfang an wurde hier strategisch geplant: durchdachte bauliche Konzepte, optimierte Laufwege und professionelle gastronomisch-technische Planung. Keine aufgeblasene Speisekarte, die nachher nicht geliefert werden kann. Das Konzept wurde konsequent bis in die oberste Etage umgesetzt, wo der Top-VIP-Bereich wie ein eigenständiges Restaurant funktioniert. Allein schon der Weinkühlschrank dort oben zeigt das Niveau.
Es ist ein cleveres, mehrstufiges Konzept mit unterschiedlichen Preisebenen, maßgeschneidert für jeden Bereich. Sebastian Finkbeiner und Wilfried Denk haben eine Benchmark für die Branche geschaffen. Sie beweisen mit ihrer Mannschaft: Mit professioneller Planung und solider Kalkulation funktioniert Spitzenqualität im Stadion. Was unter anderem auch Leipzig und Leverkusen in den VIP-Bereichen umsetzen ist ähnlich beeindruckend – da sind sich alle Fachleute einig, auch Frankfurt spielt in dieser Liga mit. Klar, Bayern München bewegt sich wie immer in einer eigenen Liga, verfügt aber auch über andere Möglichkeiten.
Die internationalen Marktführer der Catering-Branche orientieren sich mittlerweile in den Stadien auch in Richtung der Spitzengastronmie – das ist sehr vielversprechend.
Der wirtschaftliche Aspekt liegt auf der Hand: Mit zwei Heimspielen im Monat lässt sich keine Arena profitabel betreiben. Die Traube Tonbach bietet ihre Flächen konsequent für 365 Tage im Jahr an – für Weihnachtsfeiern, Corporate Events und weitere Veranstaltungsformate. Diese ganzjährige Auslastung macht den entscheidenden Unterschied für ein positives EBITDA. Die Investition in hochwertige Hospitality-Konzepte zahlt sich aus, wenn man die zusätzlichen Erlösströme konsequent erschließt. Jeder Betreiber sollte sich kritisch fragen: Welches Umsatzpotential liegt in unseren Räumlichkeiten noch brach? Wie können wir die spielfreien Zeiten optimal monetarisieren?
Als Kölner kenne ich die Mechanismen: Wer in dieser Stadt Geschäfte machen will, muss zum FC. Im Businessbereich trifft man alle relevanten Personen aus Wirtschaft und Politik. In einer Stadt wie Karlsruhe ist es vielleicht noch bedeutsamer, einen solchen zentralen Treffpunkt neu zu entwickeln und zu etablieren. Und wenn sogar die Familien gerne dabei sind, zeigt das: Der Rahmen stimmt, nicht nur für B2B.
Mein Profitipp aus langer Erfahrung: Exzellenz beginnt bereits am Eingang. Freundlicher Empfang, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Präferenzen im Vorfeld abklären, reibungslose Abläufe garantieren. Entscheidend sind jedoch die Mitarbeiter – konstante Teams mit denselben Gesichtern, die ihre Gäste und deren Vorlieben kennen. Teams müssen zusammenbleiben, kontinuierlich trainiert werden, jeden Tag ein bisschen besser werden. Zu meiner Zeit als Gastronomie-Geschäftsführer der LANXESS arena wusste jeder Stammkellner für die Logen genau, welcher Gast welche speziellen Wünsche hat. Auf der Ebene der menschlichen Begegnung mit den Kunden lassen sich dann auch kritische Momente gleich viel besser lösen.Über professionellen, persönlichen Service bindet man Gäste emotional. Auch das unterscheidet einen gewöhnlichen Stadionbesuch vom unvergesslichen Erlebnis.
www.stadionwelt.de STADIONWELT INSIDE 5/2025